1. Chemische
und physikalische Eigenschaften des Wassers
1.1 Sauerstoffgehalt
Die für die Bachforelle wichtigste Eigenschaft des Wassers ist sein Sauerstoffgehalt,
denn sie hat einen sehr hohen Bedarf (zum Vergleich: 2,83 mal mehr als der Karpfen).
Der optimale Sauerstoffgehalt liegt bei etwa 10-15 mg/l und darf 6 mg/l nicht
unterschreiten, wobei schon bei einem Wert unter 8 mg/l Unbehagen auftritt.
Sauerstoffmangel bei der Bachforelle ist leicht an der erhöhten Atemfrequenz,
den tieferen Atemzügen und den heftigeren Atembewegungen, die sich durch
weit abgespreizte Kiemen und ein aufgerissenes Maul äußern, zu erkennen.
Zwei "Prozesse" liefern den Sauerstoff im Bach. Dies ist zum einem
die Photosynthese der unter Wasser lebenden
Pflanzen und zum anderen der Gasaustausch mit der Luft.
Bei der Photosynthese, auch Assimilation genannt, gewinnt die Pflanze Glukose
aus Kohlenstoffdioxid und Wasser. Der für die Bachforelle entscheidende
Aspekt liegt darin , dass bei diesem Prozess Sauerstoff frei wird. Den größten
Anteil an dieser Produktion haben die Kieselalgen. Aber auch alle anderen Wasserpflanzen,
von denen es reichlich im Möhrenbach gibt, betreiben Photosynthese. Ein
Wiesenbach erreicht das Produktionsmaximum im Sommer, da zu dieser Jahreszeit
die höchste Temperatur und die längsten Belichtungszeiten gegeben
sind. In Waldbächen jedoch tritt die größte Sauerstoffproduktion
im Frühjahr und Herbst auf, da im Hochsommer die Bäume voll belaubt
sind und deshalb nur noch wenig Licht bis ins Gewässer dringt. Hingegen
sind im Frühjahr und Herbst die Temperaturen
noch akzeptabel und die Bäume tragen noch kein Laub oder keines mehr.
Eine weitere Sauerstoffquelle für den Bach stellt der Gasaustausch mit
der Luft dar, der durch die Durchmischung z.B. an Wasserfällen, Stromschnellen
und Wehrabfällen verstärkt wird. Deshalb halten sich die Bachforellen
im Sommer gerne an solchen turbulenten Stellen auf. Falls jedoch das Wasser
übersättigt ist, geht ein Teil des Sauerstoffs durch diese Durchmischung
auch wieder an die Luft verloren. Verbraucht wird er durch die Atmung aller
Tiere im Wasser. So benötigt die Bachforelle beispielsweise 200g Sauerstoff
pro kg Körpergewicht und Stunde im Sommer. Eine Belastung mit Schwermetallen
und vor allem mit organischem Material, das durch Herbstlaub besonders reichlich
vorhanden ist, zehrt zusätzlichen Sauerstoff. Dieser Verlust wird durch
höhere Wassertemperaturen noch beschleunigt.
Den Sauerstoff betreffend ist der Sommer für die Bachforelle die schwierigste
Zeit, da mit den höheren Temperaturen zum einen ihr Verbrauch steigt, zum
anderen aber die Wasserlöslichkeit des Sauerstoffs nachlässt. Bei
einer Wassertemperatur von 5 Grad lösen sich beispielsweise 12,5 mg/l Sauerstoff,
bei 20 Grad hingegen maximal noch knapp 9 mg/l. Im Möhrenbach wird dieses
Problem durch die im Sommer hohe Photosyntheserate der Wasserpflanzen
und dem daraus resultierenden Sauerstoffgewinn bewältigt. Es kann sogar
eine Übersättigung vermutet werden.
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Sauerstoffsättigung
eines Wiesen- und eines Waldbachs im Jahresverlauf
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1.2 pH-Wert
Der pH-Wert gibt die Konzentration von H3O+ - Ionen einer Lösung an und
zeigt somit, wie sauer oder alkalisch diese ist. Diese Eigenschaft ist auch
für das Bachwasser wichtig, da Fische und die im Bach lebenden Kleinorganismen
in zu saurem oder zu alkalischem Wasser sterben (siehe Tabelle). Deshalb gilt
ein pH-Wert im Bereich von 6,5 - 9 als ideal.
Mehrere Messungen im Möhrenbach ergaben einen konstanten pH-Wert von ca.
7,75. Er wird hauptsächlich durch den Kalksteinanteil im Einzugsgebiet
des Bachs bestimmt, wobei gilt: je höher dieser Anteil ist, desto höher
ist auch der pH-Wert. Da der Möhrenbach in einem Kalksteingebiet, dem Weißen
Jura, fließt und auch das Gestein im Bachbett überwiegend aus Kalken
und Dolomiten besteht, ist der leicht alkalische Wert zu erklären. Außerdem
verbrauchen die vielen Pflanzen das Kohlendioxid und senken somit auch die Kohlensäurekonzentration.
1.3
Wassertemperatur
Die Bäche der Forellen- und Äschenregion charakterisieren kühle
Temperaturen, die im Sommer höchstens 15 Grad erreichen. Deshalb sind diese
Lebensräume ideal für die kaltstenotherme, also an eine enge Temperaturspanne
angepasste Bachforelle.
Zwangsläufig weisen die Bäche im Sommer die höchste und im Winter
die geringste Temperatur auf. Im Tagesverlauf erreichen sie am Nachmittag ihre
Höchst- und am frühen Morgen ihre Tiefstwerte, da sich die Wassertemperatur
nur langsam ändert und erst nach und nach die Erwärmung am Mittag
und die Abkühlung in der Nacht mitvollzieht. Deshalb werden auch die Temperaturextreme
im Hochsommer und Winter abgeschwächt. Der Hauptgrund für die Erwärmung
des Wassers ist das Sonnenlicht. Folglich überrascht es nicht, dass wenig
oder nur teilweise beschattete Bäche wie der Möhrenbach im Sommer
eine höhere Temperatur aufweisen als ein Bach im schattigen Wald.
Die Wassertemperatur beeinflusst das Leben im Bach maßgeblich, da aufgrund
der RGT-Regel die Pflanzen mit steigenden Temperaturen besser wachsen können
und Verstecke für die Wasserlebewesen bieten. Die Denaturierung setzt meist
erst bei Temperaturen von weit über 20 Grad ein und ist deshalb für
die Wasserpflanzen im Bach von geringer Bedeutung. Die Wassertemperatur hat
aber auch direkte Auswirkungen auf den Stoffwechsel der Fauna. Da fast alle
im Wasser lebenden Tiere, mit Ausnahme der Säuger wie Bisam und Biber und
der Vögel, wechselwarme sind, senken niedrige Wassertemperaturen die Stoffwechselvorgänge
und die Bewegungen der Lebewesen werden langsamer. Im Winter geht dies soweit,
dass viele eine Winterruhe einhalten.
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Da
die eigene Messungen nur in der prallen Sonne im Bach vorgenommen wurde,
stellen sie vermutlich die Temperaturmaxima dar.
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2.
Fließgeschwindigkeit und Strömung
Ein Fließgewässer wird - unter anderem auch anhand der Strömungsgeschwindigkeit
und der Wassertemperatur - in verschiedene Regionen eingeteilt und nach den
jeweiligen Leitfischen benannt. Die Gewässerregionen teilen sich von der
Quelle bis zur Mündung wie folgt auf: Obere Forellenregion (Epirhithral)
- Untere Forellenregion (Metarhithral) - Äschenregion (Hyporhithral) -
Barbenregion - Brachsenregion - Kaulbarschregion. Der Möhrenbach ist nach
dieser Einteilung der Äschenregion zuzuordnen, obwohl keine Äsche
im Bach zu finden war. Das ist wahrscheinlich auf den fehlenden Äschenbesatz
und den großen Feinddruck, den die Graureiher und Kormorane speziell auf
die Äsche ausüben, zurückzuführen. Durch Hindernisse und
variierende Gewässerbreite und -tiefe entstehen unterschiedliche Strömungsverhältnisse
im Bach mit schnell (lotisch) und langsam (lenitisch) fließenden Abschnitten.
Im Strömungsschatten solcher Hindernisse, wie Steinbrocken oder Wasserpflanzen,
bilden sich Wirbel in denen sich die Bachforelle
gerne aufhält, da sie hier ohne großen Kraftaufwand stehen kann und
ihr Futter zugeschwemmt wird. Verschiedene Fließgeschwindigkeiten wechseln
sich aber nicht nur im Verlauf des Baches sondern auch
über die Gewässerbreite verteilt ab, zum Beispiel an Gleit- und Prallufern.
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Stromschnellen,
die durch eine Verengung des Bachbetts entstehen
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Die
Fließgeschwindigkeit verlangsamt sich vom oberen Stück bachabwärts
und mündet in einem tiefen Gumpen
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Der
Möhrenbach ist als ein mäandrierender Bach und weist viele Prall-
und Gleitufer auf
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Die Fließgeschwindigkeit variiert von 1 cm/s in ruhigen Kurven bis zu
ca. 2 m/s in Stromschnellen, durchschnittlich beträgt sie jedoch ungefähr
1 m/s. Je schneller das Wasser fließt, desto mehr Sauerstoff
kann mit der Luft ausgetauscht werden und auch die Wasserpflanzen können
bei rascher Strömung mehr gelöste Nährstoffe aufnehmen. Die meisten
Lebewesen im Bach sind durch ihr Verhalten speziell an das fließende Wasser
angepasst. So lässt sich die Bachforelle
ihre Nahrung mit der Strömung an ihren Standplatz zutragen, die Köcherfliegenlarven
schützen sich durch Beschwerung ihres Gehäuses vor dem Abdriften und
der flutende Hahnenfuß bietet
durch seinen biegsamen Bau und die fädigen Blätter einen geringen
Wasserwiderstand.