Verhalten der Bachforelle

Vermehrung und Entwicklung der Brut:
Die Laichzeit der Bachforellen beginnt im Oktober, erreicht im November bzw. Dezember ihren Höhepunkt und ist spätestens im Januar abgeschlossen. Auch im Möhrenbach konnte Mitte Dezember einen Laichakt beobachtet werden, wegen des getrübten Wassers jedoch nur fragmentarisch.
Weibchen sind ab etwa 3 Jahren geschlechtsreif, die Männchen dagegen schon nach 2 Jahren.
Ab Ende September bildet sich Milch (Samen) oder Rogen (Eier) und die Forellen beginnen stromauf zu ziehen. Dort suchen sie nach einer gut durchlüfteten, also strömungsreichen , Stelle mit reinem, nicht zu grobem Kies, da sie wie alle Salmoniden (Lachsartige) Kieslaicher sind. Das Weibchen (Rogner) schlägt hier, indem es sich auf die Seite dreht mit Schwanz und Körper eine Laichgrube (Bruch), in die es seine Eier ablegt. Diese haben einen Durchmesser von 4 - 5,5 mm. Ihre Anzahl beträgt etwa 1500-2000 Stück pro Kilogramm Körpergewicht, also annähernd 1000 Eier bei einer durchschnittlichen Forelle.
Das Männchen (Milchner) stößt nach der Eiablage seinen Samen oberhalb des Laichplatzes aus und dieser befruchtet die Eier, nachdem er durch die Strömung dorthin getragen wurde. Anschließend werden oberhalb noch kleine Steine aufgewirbelt, die die Laichgrube bedecken und die befruchteten Eier vor gierigen Mäulern schützen. Dann jedoch bleibt der Laich seinem Schicksal überlassen.
In Abhängigkeit von der Wassertemperatur – hier gilt eine Temperatur zwischen 2 und 4 Grad als Optimum für die Entwicklung des Laichs - schlüpfen die Fischchen nach 70 bis 200 Tagen. Die 15 bis 22 mm kleine Fischlarve ernährt sich noch 1 1/2 Monate von ihrem Dottersack, bevor sie selbst zu jagen beginnt. Doch selbst der Jungfisch immer noch stark auf Deckung angewiesen, die er im Möhrenbach überwiegend zwischen den Wasserpflanzen findet.
Mit dieser ersten Phase ihres Lebens hat die Forelle zugleich auch die gefährlichste überstanden, da Laich und Brut zahlreichen Tieren, beispielsweise auch der Mühlkoppe, als Nahrung dienen.
Wegen der großen Anzahl der Eier und der fehlenden Brutpflege kann man die Forelle, wie die meisten Lebewesen im Bach, als r-Strategen bezeichnen.
Videos von geeigneten Laichplätzen (anklicken)
(4. Video hier)

 

Innereien des Milchners (Männchen)
Der oberen weißen Teile sind die männlichen Geschlechtsorgane
Innereien des Rogners (Weibchen)
Im orangefarbenen Organ werden die Eier produziert. Da diese Forelle anscheinend schon abgelaicht hat, sind nur ein paar wenige Eier zu erkennen.

Die männlichen Bachforellen bekommen zu Laichzeit einen sogenannten Laichhaken, eine Ausstülpung des Unterkiefers.

 

Forellenlaich. Dieser stammt teils aus dem Magen teils aus dem Bauchraum einer weiblichen Bachforelle.

 

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Bachforellenlarve mit Dottersack

 

Unterwasserfilm eines Jungfisches Teil 1 2 3

 

Konkurrenz zwischen den Bachforellen:

Kannibalismus
Wie die meisten Raubfische so zeigt auch die Forelle Formen von Kannibalismus. Dieses Verhalten beginnt schon vor dem Schlüpfen des Nachwuchses mit dem Verzehr der Eier der eigenen Art, geht allerdings nicht so weit, dass die Eltern ihre Nachkommen fressen. Ganz im Gegenteil: Sie verjagen Männchen, die bei der Begattung zu kurz kamen, und andere Fische konsequent, um zu verhindern, dass die Kinderstube leergeräumt wird.
Jungfische werden von den größeren Forellen nicht etwa als schutzbedürftige Tiere angesehen, sondern stellen für ihre älteren Artgenossen lediglich einen Futterfisch dar. Aber auch größere Fische sind vor dem Gefressenwerden nicht sicher, wie dieser Kadaver im Magen einer Riesenforelle belegt

Besonders ausgeprägt ist ein kannibalisches Verhalten auch beim Hecht.

Kämpfe um den Standplatz
Da die Bachforelle für ihre Futteraufnahme auf einen guten Standplatz angewiesen ist, verteidigt sie diesen verständlicherweise auch gegen Widersacher. Hierbei gilt das Recht des Stärkeren und die größte Forelle besetzt den besten Standplatz.

Eine Forelle wird von einer großen Artgenossin verdrängt, woraufhin die verscheuchte wiederum eine kleinere verjagt.  Diese sucht sich einen neuen Standplatz, wird aber hier gleich wieder vertrieben. Dann schwimmt die große Forelle zu einer vermeintlich besseren Stelle und verjagt hier 2 andere Forellen.

Nähere Informationen zum Video
2 Videos, die demonstrieren, wie Bachforellen untereinander um Standplätze konkurrieren.

Falls eine größere Bachforelle ihren Platz verlässt, nimmt sofort eine kleinere Forelle diese Stelle ein (VIDEO).

Unter Umständen, wenn beispielsweise an einer Stelle ein sehr großes Nahrungsangebot herrscht, dulden sich die Forellen gegenseitig und akzeptieren ein Nebeneinander. Aber sie jagen immer für sich allein, ohne sich dabei gegenseitig zu unterstützen.
In diesem Video halten sich 3 Forellen auf engstem Raum auf ohne sich gegenseitig zu verjagen. Da alle drei fressen, ist anzunehmen, dass reichlich Nahrung zur Verfügung steht.