Köcherfliegen (Trichoptera)

Köcherfliegenlarven
Imagines (geschlüpfte Tiere)


Allein in Bayern sind 230 Arten der Ordnung der Köcherfliegenlarven (Trichoptera) bekannt. Deshalb wird an dieser Stelle, wie auch bei den Eintagsfliegen, nur ein allgemeiner Überblick gegeben.

Ihren Namen hat die Ordnung von den charakteristischen Bauten ihrer Larven. Diese benutzen als Baumaterial unterschiedlichste Feststoffe, wie Steinchen, Sandkörnern, Zweigstückchen, kleine leere Schnecken- oder Muschelschalen, Teile grüner oder welker Blättchen und Grashalme, jeweils ihrem Lebensraum entsprechend, um ihren empfindlichen Körper zu schützen. In Bächen, wie auch im Möhrenbach, verwenden sie Steinchen und Sandkörner, also relativ schwere Baustoffe. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen kommen diese Materialien auf dem Bachgrund häufig vor, so dass die Larven mit ihren Köchern dem Untergrund bestens angepasst und durch ihre Tarnung nur schwer von Feinden, wie Forelle und Wasseramsel, zu entdecken sind; zum anderen werden sie durch ihre schweren Gehäuse auch am Boden gehalten und nicht fortgespült.
Alle köchertragenden Larven sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Algen, Detritus und frischen oder faulenden Teilen höherer Pflanzen.

Die Köcherfliegenlarven bewohnen den Gewässergrund und hier halten sie sich bevorzugt zwischen und unter Steinen auf.
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Larve aus dem schützenden Köcher entfernt
Köcherfliegenlarve im natürlichen Zustand


Der Köcher wird nie freiwillig verlassen; denn selbst die 5-6 Häutungen finden im Köcher statt. Deshalb muss der Köcher auch mit der Larve wachsen. Dies geschieht, indem die Köcherfliegenlarve mit Hilfe der Spinndrüse immer mehr Steinchen am Kopfende ihrer Behausung anfügt. Der hintere Teil, aus dem sie dadurch mit der Zeit herauswächst, fällt ab.
konisch zulaufender Köcher, der wohl bald seinen hinteren Teil verlieren wird

Jedoch gibt es auch Köcherfliegen, die keinen Köcher besitzen oder die ihre an Steinen befestigte Behausung zum Nahrungserwerb verlassen. Viele Larven ohne Köcher bauen kunstvolle Fangnetze mit einer gegen die Strömung gerichteten Öffnung. Für gewöhnlich wartet dann die Larve im Endteil ihrer Fangvorrichtung auf Beute in Form von Algen oder Kleinlebewesen. Aber man findet auch frei umher ziehende Larven, die räuberisch leben und kleine Tierchen fressen.

Am Ende ihres Larvenstadiums verpuppen sich die Köcherfliegenlarven in geeigneten Verstecken, wie z.B. zwischen Steinen, schlüpfen nach 2 - 3 Wochen und schwimmen oder klettern an Wasserpflanzen zur Oberfläche, wo sie die Puppenhaut verlieren und als geflügelte Insekten schlüpfen.
Da die Larven im Wasser, die Imagines hingegen an Land leben, werden die Köcherfliegen als merolimnisch bezeichnet.

Das Imago sieht einem Kleinschmetterling ähnlich, verfügt jedoch über keinen Saugrüssel. Außerdem sind die Flügel nicht beschuppt, sondern behaart und werden in Ruhestellung dachförmig angelegt. Dennoch weisen die beiden Insektenordnungen eine evolutorische Verwandtschaft auf. Die Färbung der Fliegen ist unauffällig, meist braun, schwarz oder grau.

Nach dem Schlüpfen verstecken sich die Köcherfliegen im Uferbewuchs des Bachs und werden erst mit Einbruch der Dämmerung wieder aktiv. Im Gegensatz zu den Eintagsfliegen können sie trotz teilweise verkümmerter Mundwerkzeuge flüssige Nahrung in Form von Nektar und Wasser zu sich nehmen, leben aber auch nicht länger als ca. acht Tage. In unseren Breiten liegt die Hauptflugzeit der Köcherfliegen zwischen Anfang Juni und Ende August. Man trifft sie jedoch auch im Herbst sowie vereinzelt noch im Winter an.

Bilder während der aktivsten Zeit, der Dämmerung, aufgenommen:
Vergrößern der Köcherfliegenbilder durch Anklicken


Hier sind die dachförmig angelegten Flügel gut zu sehen

Die Paarung erfolgt teils in der Luft, hauptsächlich aber in der Vegetation. Die Weibchen legen Eier in großen Ballen nach jeweils artspezifischen Methoden ab. Einige Arten werfen die Eiballen im Flug über dem Gewässer ab, andere, vorwiegend die köcherlosen Fließgewässerbewohner, besitzen Schwimmbeine und tauchen ins Wasser und kleben dort die Eier an Steine oder Wasserpflanzen.

Die Köcherfliege, sowie ihre im wasserlebenden Larven, sind eine begehrte Nahrung bei den Forellen, wie diese Larven aus dem Magen einer Bachforelle beweisen:

Aber auch Wasseramseln und Bachstelzen fressen die Köcherfliegen gerne.


Quellen: Bellmann 1999;
Brehm 1996; Burmeister 1983; Engelhardt 1959; Kirchner 1998; Sedlag 1979