Die Bachforelle (Salmo trutta fario)


Die Urform dieser Salmonidenart (Lachsartige) waren Wanderfische, die wie der Lachs zwischen Süß- und Salzwasser pendelten. Jedoch wurde in der Eiszeit an manchen Orten der Rückweg ins Meer versperrt und so entwickelten sich
einige Unterarten, wie auch die Bachforelle. Zwei sehr eng mit ihr verwandte Fischarten sind die Meerforelle (Salmo trutta trutta) und die Seeforelle (Salmo trutta lacustris).

Durch die widrigen Umstände der Eiszeit ist die Bachforelle anpassungsfähig und zäh - die relativ geringe Schmerzempfindlichkeit sei hier erwähnt (200fach weniger als beim Menschen)- geworden, stellt aber besondere Bedingungen an die Wasserqualität und hierbei besonders an den Sauerstoffgehalt des Gewässers. Solange diese erfüllt sind und der Forelle genügend Nahrung zur Verfügung steht, wächst sie, je nach Nahrungsangebot und Lebensraum, bis zu einer Länge von 80 cm und einem Gewicht von 4 - 12 Pfund, je nach Nahrungsangebot und Lebensraum, ab und vermehrt sich prächtig.

Vorkommen
Die Bachforelle kommt überall dort vor, wo die obengenannten Bedingungen herrschen, und das in Höhenlagen von bis zu 2400m.
Dies ist in klaren Gebirgsseen, Quellen, reißenden Gebirgsbächen, Mittelgebirgsbächen, Niederungsbächen, wie dem Möhrenbach, und sauberen Flüssen, zum Beispiel in der Rednitz oder Pegnitz, gegeben.


(Blinker Sonderheft)
Verbreitung der Bachforelle in Europa
Aber im zuge der Kolonialisierung haben die Engländer die Bachforelle im ganzen British Empire angesiedelt, so dass man auch in Australien, Neuseeland und den USA gute Bachforellenbestände antreffen kann.

Anatomie

Der Körper der Bachforelle ist langgestreckt, in der Jugend spindelförmig und später gedrungener. Diese Stromlinienform ermöglicht ihr mit geringem Kraftaufwand in der Strömung zu schwimmen.

Wie alle Salmoniden besitzt auch die Bachforelle eine für diese Gattung charakteristische Fettflosse.

Die inneren Organe der Bachforelle

 


Mit den auf dem Foto erkennbaren roten Kiemen betriebt die Bachforelle den Gasaustausch mit dem Wasser und erhält den für sie so wichtigen Sauerstoff.


Ihr Maul ist endständig, da Futter an der Wasseroberfläche und am Grund gefressen wird. Vermutlich hat das wenig spezialisierte Fressverhalten hierzu beigetragen.

Vergleich der Maulstellung mit anderen Fischarten

(Heintges 1995)

(Heintges 1995)
Barbe: unterständig, da sie ihre Nahrung fast nur vom Gewässerboden aufnimmt
Forelle: endständig, da sie Anflugnahrung von der Wasseroberfläche sowie Benthostiere frisst
Hecht: oberständig

Der kräftige Schwanz verleiht der Bachforelle Spurtstärke (Video) und eine Fortbewegungsgeschwindigkeit von bis zu 35km/h. In der Jugend ist er noch eingeschnitten, beim ausgewachsenen Tier verliert sich die Einkerbung zunehmend..


Färbung - Tarnung

Die typische Musterung einer Bachforelle zeigt weißumrandete, rote Tupfen.



Wie jedoch diese Bilder demonstrieren, gleicht keine Forelle der anderen.

Über die Flanke der Bachforelle sind in unregelmäßiger Anordnung rote Punkte mit weißer oder blauer Umrandung verstreut.
Dieses typische Schuppenkleid hat ihr unter Anglern den Namen "Rotgetupfte" eingebracht.

Die junge Bachforelle ist an ihren Jugendflecken zu erkennen, die mit zunehmenden Alter nach und nach verschwinden.
Am Körperende kann man noch die Jugendflecken sehen
Auch bei der jungen Regenbogenforelle lassen sich diese erkennen


Jede Bachforelle weist eine andere Schuppenfärbung auf, die sich bei einem Ortswechsel über kurz oder lang an die neue Umgebung anpasst. Wegen dieser Nachahmung der Umgebungsfärbung wird sie auch als Chamäleon unter den Fischen bezeichnet.

Klicken Sie im Bild auf die Forelle. Falls Sie den Fisch nicht finden können ist hier eine kleine Hilfe

So haben Bachforellen, die ihren Standplatz zwischen oder neben Wasserpflanzen bezogen haben, eine grünliche Färbung, über kiesigem Grund lebende Artgenossen hingegen eine braune. Bachforellen, die in klaren Gebirgsseen im Freiwasser stehen, haben ihre bräunliche Grundfärbung (engl.: brown trout) verloren und glänzen silbern.

Der Rücken jedoch ist grundsätzlich am dunkelsten, damit Feinden, die von oben ins Gewässer blicken, wenig Kontrast zum meist dunklen Untergrund geboten wird.
Es kann vermutet werden, dass das Messglied für den Farbanpassungsprozess die Augen sind, da blinde Forellen unabhängig vom jeweiligen Bachgrund eine sehr dunkle Körperfarbe haben.

Die obere Bachforelle hatte ihren Standplatz zwischen Wasserpflanzen und die untere über kiesigem Grund gewählt. Deutlich ist die jeweils der Umgebung angepasste Körperfärbung zu erkenne.

 

Das Auge
Das Auge ist das wichtigste Sinnesorgan der Bachforelle, denn sie jagt hauptsächlich auf Sicht. Die Bedeutung des Sehens für die Forelle wird auch an der Gehirnmasse, die für die Aufnahme und Verarbeitung von optischen Reizen benötigt wird, deutlich, da sie allein die Hälfte des Forellenhirns ausmacht.
Das Auge der Bachforelle ist fast doppelt so lichtempfindlich wie das des Menschen, so dass sie auch noch nach Sonnenuntergang oder bei leicht getrübtem Wasser gut sehen kann.
Ähnlich wie beim Sehorgan des Menschen fehlt auch im das Auge der Forelle die Lichtbrechung unter Wasser. Damit sie trotzdem optimales Sehen erreicht, verfügt sie über eine effektivere, kugelförmige Linse.
Die beiden seitlich sitzenden Augen umfassen jeweils ein Gesichtsfeld von 180 Grad, das leicht nach vorne gekippt ist, so dass es sich vor dem Maul der Forelle überlappt.

Q

Dadurch kann die Bachforelle in diesem Bereich räumlich sehen und die Entfernung zu ihrer Beute abschätzen. Außerdem weist die Netzhaut keinen gelben Fleck wie beim Menschen auf, sondern die Sinneszellen sind über die gesamte Netzhaut verteilt, so dass die Forelle nicht nur einen Punkt scharf sieht, sondern ihr ganzen Gesichtsfeld. Dies ermöglicht ihr gleichzeitig nach Beute vor ihr, aber auch nach Feinden an den Bachufern Ausschau zu halten und so trotz reichlicher Ablenkung durch Futter bei Gefahr die Flucht zu ergreifen.
Ferner ist es wichtig, dass die Forelle zur Seite schauen kann, ohne ihre strömungsgünstige Position zu verlassen; denn einerseits kann sie ihren Kopf nicht drehen und eine Drehung mit dem ganzen Körper böte eine zu große Angriffsfläche für das Wasser.
Professor W.A. Muntz von der Sterling Universität hat das Farbsehen der Bachforelle erforscht und herausgefunden, dass sie Rot am leichtesten erkennt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Farbe sie auch am meisten reizt. Jedoch gilt unter Anglern allgemein, dass an einem Forellenköder etwas Rotes sein sollte.


Die Seitenlinie
Das Seitenlinienorgan ist ein weiteres für die Bachforelle sehr wichtiges Sinnesorgan. Es verläuft, wie bei allen Fischen, an der Flanke vom Kopf bis zur Schwanzwurzel. Sichtbar sind aber nur die winzigen Öffnungen in denen die hochempfindlichen Sinneszellen sitzen mit deren Hilfe sich die Forelle in der Dunkelheit, stark getrübtem Wasser oder sogar bei Verletzungen der Augen bzw. Erblindung zurechtfindet.

Die Seitenlinie wird sichtbar, wenn man den Mauszeiger über das Foto bewegt


Die Seitenlinie ist mit einem Sonar zu vergleichen, denn sie nimmt jede kleinste Wasserbewegung wahr, ganz gleich ob sie von einem herannahenden Feind, von einem Hindernis, von einmündenden Bächen oder jeder anderen Art von Strömungsunterschied verursacht werden.
Dieses Organ ermöglicht auch das Auffinden von geeigneten Laichplätzen.

Der Geruchs- und Gehörsinn
Beides ist bei der Bachforelle nicht so ausgeprägt wie bei anderen Fischarten, vermutlich weil im rasch fliesenden Gewässer Geräusche und Gerüche durch die Strömung übertönt bzw. verwirbelt werden, so dass sie nicht mehr als Indikatoren für die Nahrungssuche zu gebrauchen sind. So ist etwa das Ausspucken eines Angelköders nicht auf seinen fehlenden Geschmack zurückzuführen; es erfolgt vielmehr, weil die im Maulraum verteilten Rezeptoren für taktile Reize die harte Konsistenz der Attrappe ablehnen. wird durch die harte Konsistenz verursacht, da am Maulraum viele Rezeptoren für taktile Reize sitzen.

Die Vermehrung, das Verhalten, sowie vor allem die Nahrungsaufnahme der Bachforelle sind so komplexe Themen, dass ihnen eigene Seiten gewidmet sind.

Die Standplätze im Bach
Die Bachforelle hält sich als standorttreuer Fisch im Gegensatz zu Regenbogenforelle fast immer an einem bestimmten Platz im Bach auf und verlässt diesen nur wenn sie zum Laichplatz zieht, wenn sie in der Dämmerung Jagd auf Wassertierchen macht oder von einer größeren Forelle oder einem Feind, wie zum Beispiel dem Hecht, vertrieben wurde. Jedoch sucht sie anschließend wieder ihren Standplatz auf.
Die favorisierte Stelle im Bach, an der die Forelle immer stromaufwärts gewandt ist, muss ihr einerseits Nahrung zuspülen und andererseits Schutz vor Feinden bieten. Diese Voraussetzungen treffen bei folgenden Bachstrukturen zu:

Brücken, Wehrkolke, Schwellen, Aufstauungen, überhängende Bäume, Felsblöcke und andere Strömungshindernisse, Krautbetten, Löcher und Rinnen, Einlauf und Abfluß von Gumpen im Bach, unterhöhlte Ufer, tiefe Stellen unter Wurzelwerk, Kehren und Wirbel mit Rückströmungen und Einmündungen von Nebenbächen
Streng genommen ist der Ausdruck Standplatz ist allerdings falsch, da die Forelle kontinuierlich gegen die Strömung schwimmt, und zwar mit genau derselben Geschwindigkeit, mit der sie andernfalls abgetrieben würde. Daher erscheint es dem Beobachter so, als würde die Forelle stehen. Durch diese fortwährende Bewegung ist die Bachforelle eine exzellenter, schneller Schwimmer.


Unter Brücken

Unter überhängenden Bäumen

Gumpen



Hinter Steinen und anderen Strömungshindernissen


Unter ausgehöhlten Ufern


Bachmündungen


und andere Zuflüsse

Zwischen Wasserpflanzen