Bachflohkrebs (Gammarus pulex)


Der Bachflohkrebs (Gammarus pulex) gehört zur Klasse der Krebse und der Ordnung der Flohkrebse. Die Gammariden sind in Bächen und Flüssen in ganz Deutschland verbreitet, aber auch in Quellen bis zu einer Höhenlage von 500 m trifft man sie an.
Er atmet mit 5 Paar plattenförmigen Kiemen, die an der Basis der vorderen Schreitbeine ansetzen, so dass sie durch die Schwimmbewegung der Beine zusätzlich mit Sauerstoff versorgt werden.

Im Bach lebt er auf dem Gewässergrund, genauer gesagt zwischen und unter Steinen und im Pflanzendickicht, wo er auch im Möhrenbach zahlreich anzutreffen ist. Hier findet er Schutz vor dem Abdriften, aber auch vor seinen zahlreichen Feinden. Jedoch kann er sich in Seitenlage auch in stärkerer Strömung oder über freien Flächen, wie z.B. Sand bewegen. Im Winter hält er sich verstärkt IM Grund auf.

Diese Unterwasserbilder zeigen den beim Bachflohkrebs beliebten Aufenthaltsbereich zwischen groben Steinen

Video
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Wie viel Leben zwischen den Steinen versteckt ist, erkennt man erst wenn ein paar von ihnen hochhebt und die Bachflohkrebse zum Vorschein kommen.

Meine Untersuchungen im Möhrenbach haben ergeben, dass der Bachflohkrebs unter allen Wasserpflanzen die Wasserpest als Aufenthaltsbereich deutlich bevorzugt. Meines Erachtens ist diese Beobachtung darauf zurückzuführen, dass die Wasserpest als eine nicht sehr strömungsbeständige Pflanze, deren Verzweigungen leicht ausreißen, eher in ruhigeren Bachabschnitten zu finden ist. Hier kann sich auch leichter von der Strömung mitgeführter Detritus am Boden oder auf den Blättern der Wasserpflanzen ablagern. Für den Bachflohkrebs sind dies optimale Bedingungen, da er hier Nahrung und Unterschlupf findet.

Kescherzug durch Wasserpest
An der Oberfläche kann man deutlich die Massen an Bachflohkrebsen erkennen
Kescherzug durch andere Wasserpflanze (flutender Hahnenfuß)
Hier kann man ein Überhang von Eintagsfliegenlarven feststellen, wobei Bachflohkrebse fast völlig fehlen

Bewegung des Bachflohkrebs
Die Bewegung an Land gleicht dem der im Wasser sehr
Bachflohkrebse im Miniaquarium

Der Bachflohkrebs kann, wie schon erwähnt, auch gegen die Strömung wandern und schnell vor Feinden fliehen. Er bewegt sich in Seitenlage durch schnelles Zusammenziehen und Strecken vorwärts.

Nahrung:
Gammarus pulex ist hauptsächlich Detritusfresser (verwesendes pfanzliches Material), aber auch Pflanzen, Pilze, Bakterien und kleine Tiere dient als Nahrung. Deshlab kann der Bachflohkrebsals Allesfresser (omnivor) bezeichnet werden. Er ist aber dennoch einer der wichtigsten Zersetzer (Destruenten) im Bach.

Im Herbst, wenn die Bäume ihr Laub verlieren und dieses zum Boden sinkt, findet der Bachflohkrebs hier viel Nahrung und kommt auch in Massen im verwesenden Material vor

Vermehrung:
Ende Januar beginnt die Pärchenbildung, die letzen Jungen werden Ende Oktober abgesetzt.
Nach der Häutung des Weibchens folgt die Begattung durch das Männchen. Anschließend werden 10-20 Eiern in den zwischen den vorderen Beinen des Weibchens gelegenen Brutraum (Marsupium) abgelegt. Wegen dieser vergleichsweise geringen Eizahl ist der Bachflohkrebs einer der wenigen K - Strategen des Bachs. Er ist einer der wenigen Bewohner des Bachs der Brutpflege betreibt. Je nach Temperatur entlässt das Weibchen nach 4 -6 Wochen die Jungtiere, diese verbleiben nach dem Schlüpfen noch einige Tage hier, dann führen ihr Leben in Bodensubstrat. Nach 3 - 7 Monate und ca 7 Häutungen sind sie geschlechtsreif.  Der Bachflohkrebs verbringt seine Jugend im Minihöhlensystem der vielen Steinchen am Boden und im abgesunkenem Falllaub.

weiteres Video von Bachflohkrebsen im Miniaquarium


Kurz nach Einsetzen ihrer Verwesung werden die Bachflohkrebse kräftig orange. Deshalb ist es einleuchtend, dass sich auch das Fleisch der Forellen nach häufigem Verzehr dieser Tierchen orange bis lachsrosa färbt. Solche Forellen werden im Handel oft als Lachsforellen bezeichnet, was aber biologisch nicht gerechtfertigt ist, da es sich trotzdem noch um Regen- oder Bachforellen handelt.